Hilfsmittel bei Demenz
© istock.com/simpson33

Patientenbetreuung

Alltagstipps und Hilfsmittel bei Alzheimer

Mit fortschreitender Erkrankung fällt es Alzheimer Patient:innen zunehmend schwerer, den Alltag zu bestreiten und gewisse Aufgaben zu erledigen. Dennoch sollte – soweit gefahrlos machbar – die Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden möglichst lange gefördert und den Betroffenen in Form von Hilfsmitteln eine Unterstützung angeboten werden. Wir stellen Ihnen hier einige Tipps und Hilfsmittel bei Alzheimer vor, die Ihren Patient:innen den Alltag erleichtern können.

Tipps für den Alltag

Oft verlegen Betroffene Gegenstände an ungewöhnliche Orte, vergessen ihre Medikamente oder das Essen und Trinken. Hier können einfache Hilfsmittel unterstützen.

Zum Beispiel können Gegenstände wie Schlüssel mit kleinen Chips ausgestattet werden, die über Funk oder Bluetooth leicht wiedergefunden werden können.1 Erinnerungshilfen können an die Medikamenteneinnahme erinnern. So gibt es beispielsweise Medikamentenboxen, die durch optische oder akustische Signale auf sich aufmerksam machen.1 Genauso können sprechende Erinnerungshilfen oder visuell gestaltete Pläne an Mahlzeiten oder an regelmäßiges Trinken erinnern. Zusätzlich können als Trinkerinnerung auffällige Notizzettel in der Wohnung verteilt oder direkt Flaschen und Becher positioniert werden.1

Auch Telefone mit großen Tasten können den Alltag erleichtern. Bei vielen Geräten können hinter einzelne Tasten auch Telefonnummern oder sogar Bilder hinterlegt werden. Für die Betroffenen ist die Bedienung dann einfacher.1

Ein beeinflussbarer Risikofaktor für Demenz ist die Schwerhörigkeit im Alter.2 Studien zeigten, dass ein unbehandelter leichter Hörverlust das Risiko verdoppelt – ein mittelgradiger Hörverlust verdreifacht und ein hochgradiger Hörverlust verfünffacht das Risiko für eine Demenz-Erkrankung sogar.3 Er ist der größte einzelne Risikofaktor und trägt ca. 8 Prozent zum gesamten Demenzrisiko bei.4 Wird die Schwerhörigkeit jedoch möglichst früh erkannt und mit einem Hörgerät behandelt, kann das Demenz-Risiko gesenkt werden.

Hilfsmittel bei Alzheimer für die Sicherheit

Besonders Angehörige machen sich um die Sicherheit von alleinlebenden dementen Personen große Sorgen. Doch auch hier haben wir einige Tipps, wie das Risiko für gefährliche Situationen reduziert werden kann.

Alzheimer-Patient:innen zeigen häufig eine Hinlauftendenz, weil sie denken, an einem bestimmten Ort etwas erledigen zu müssen. Um zu vermeiden, dass Betroffene allein loslaufen und sich verlaufen, gibt es verschiedene Hilfsmittel. Kontaktmatten, Lichtschranken oder Türalarme verhindern, dass die Person unbemerkt die Wohnung oder das Bett verlässt.1,5,6 Sollte das dennoch geschehen, können GPS- und Ortungssysteme – eingebaut in Uhren, Ketten, Armbänder, Gürtel oder Taschen – dabei helfen, die vermisste Person wiederzufinden.1,5,6 Zusätzlich können Notfallknöpfe an Uhren oder Ketten angebracht werden, die Demenz-Patient:innen drücken und so entweder direkt mit der Notfallzentrale oder mit Angehörigen oder dem Pflegedienst in Kontakt treten können.1,5,6 Beachten Sie hierbei jedoch, dass diese Hilfsmittel nicht das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen verletzen.

Um Unfälle in der eigenen Wohnung zu vermeiden, sollten gefährliche Gegenstände wie Feuerzeuge außer Reichweite aufgehoben oder weggeschlossen werden. Rauchmelder, eine Herdsicherung, Abschaltautomatiken an elektrischen Geräten oder Steckdosensicherungen können das Brandrisiko verringern – ebenso wie schwer entflammbare Textilien an Sesseln etc. bei Raucher:innen.1,5,6 Das Sturzrisiko kann minimiert werden, wenn Stolperfallen wie lose Teppiche oder erhöhte Türschwellen entfernt, Handläufe und Haltegriffe angebracht sowie Nachtlichter mit Bewegungsmelder installiert werden. Sollte es doch zu einem Sturz kommen, können Hüftprotektoren schlimmere Verletzungen vermeiden.5,6

In höher gelegenen Stockwerken können Fenster so modifiziert werden, dass sie sich nicht mehr ganz öffnen lassen und so einen Sturz aus dem Fenster verhindern. Zudem ist es sehr wichtig, dass Betroffene sich nicht einschließen können. Ein Universalschloss an der Wohnungstür, das sich trotz steckendem Schlüssel öffnen lässt, oder ein Türschloss am Bad, das sich auch von außen öffnen lässt, können das verhindern.5

Tipps für das Zeitgefühl

Viele Alzheimer-Patient:innen verlieren im Laufe ihrer Erkrankung nicht nur die räumliche sondern auch die zeitliche Orientierung und vergessen darüber Termine oder welcher Tag ist. Hier können Klarheit und Struktur weiterhelfen.

Große Kalender mit Datum, ausgeschriebenen Wochentagen und Monaten sowie zur Jahreszeit passenden Bildern erleichtern die Orientierung.6 Auch zur Jahreszeit passende Dekoration kann dabei helfen.1 Wochenplaner geben ebenfalls Struktur. Dort kann eingetragen werden, welche Termine wann anstehen oder wer wann zu Besuch kommt – im besten Fall mit Fotos der Menschen versehen, falls einmal der Name entfällt. Auch sprechende Zeitplaner oder digitale Kalender mit Uhrzeit und Erinnerungsfunktion können an Termine erinnern.1,5

Zum Ablesen der Uhrzeit eignen sich am besten große Uhren mit deutlichen Zahlen und gut sichtbaren Zeigern, die eine klare Unterscheidung zwischen Tag und Nacht ermöglichen – eventuell sogar mit Sprachfunktion.1,5

Hilfsmittel im Haushalt

Um das Selbstbewusstsein von Alzheimer-Betroffen zu stärken, sollte möglichst lange eine Selbstständigkeit im Haushalt beibehalten werden. Dazu gehören auch das selbstständige Essen, Anziehen und die Körperpflege. Auch hier gibt es Hilfsmittel, die Patient:innen im Haushalt unterstützen können.

In der Küche können bei der Zubereitung von Mahlzeiten Utensilien wie Sparschäler oder Dosenöffner mit besser greifbaren Griffen verwendet werden. Während des Essens unterstützt Demenz-Geschirr und -Besteck in auffälligen Farben die Nahrungsaufnahme, da das Essen so leichter wahrgenommen wird. Auch hier sollte auf gute Greifbarkeit und eventuell eine Warmhaltefunktion geachtet werden.1,6 Weitere Informationen und Tipps zum Thema finden Sie auch in unserem Beitrag Gesunde Ernährung bei Demenz kann helfen.

Eine ebenerdige Dusche oder eine Sitzbadewanne mit Tür sowie erhöhte Toiletten für ein einfacheres Aufstehen erleichtern die Körperhygiene.5 Anziehhilfen wie Strumpfanzieher oder Knöpfhaken ermöglichen ein selbstständiges Ankleiden.

Im Schlafzimmer helfen Gewichtsdecken ruhelosen Patient:innen zu beruhigen und erhöhte Betten ermöglichen den Betroffenen das eigenständige Aufstehen.6 Sollte das Schlafzimmer in einem anderen Stockwerk liegen, kann ein Treppenlift sinnvoll sein.

Training für Kognition und Motorik

Gedächtnisübungen sind auch für Menschen mit einer bereits bestehenden Demenz-Erkrankung noch sinnvoll. Zudem wirken viele Betroffene oft ruhelos – da können Beschäftigungsmöglichkeiten Abhilfe schaffen.

Beispielsweise gibt es für Tablets verschiedene Spiele, Filme und Rätsel, die speziell für Alzheimer-Patient:innen entwickelt wurden und eine individuelle Förderung der Betroffenen ermöglichen. Aber auch Brettspiele oder Puzzle dienen der Beschäftigung und können die geistigen Fähigkeiten trainieren.1,6

Für eine motorische Beschäftigung bieten sich sogenannte Demenz-Muffs oder Nestel-Decken an. Sie bestehen aus vielen verschiedenen Materialien und Oberflächenstrukturen sowie unterschiedlichen Farben. Dadurch sprechen sie die Sinne der Betroffenen an und sind immer wieder aufs Neue interessant zu erkunden.6

Für weitere Tipps lesen Sie auch unseren Beitrag zum Thema Aktivität für Körper und Geist bei Alzheimer sowie Das Datum.

Ein wichtiger Hinweis: Bevor ein Hilfsmittel angeschafft wird, sollte sowohl mit der betroffenen Person als auch mit der Pflege- oder Krankenkasse gesprochen werden. Denn ein Hilfsmittel bringt nur etwas, wenn es benutzt wird, und in vielen Fällen bezuschussen Pflege- oder Krankenkassen die Anschaffung.1

neuRo Nurse
Instagram