Diagnose von Alzheimer
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Diagnose

Diagnose der Alzheimer-Krankheit

Demenzerkrankungen wie die Alzheimer-Krankheit zeigen einen progredienten Verlauf und präventive sowie therapeutische Ansätze können insbesondere im Frühstadium das Fortschreiten der Erkrankung verzögern. Eine frühzeitige Diagnose ist daher wichtig. Zudem dient die Diagnose dazu, sowohl die Betroffenen als auch deren Angehörige umfassend über die Demenzerkrankung aufzuklären.1

Syndromdiagnose und ätiologische Zuordnung

Zunächst gilt es, anhand von klinischen Symptomen die Syndromdiagnose „Demenzerkrankung“ zu stellen, bevor eine weitere ätiologische Zuordnung – die Identifikation der ursächlichen Erkrankung wie beispielsweise Alzheimer-Krankheit – erfolgen kann. Laut der ICD-10-Definition ist die Demenz ein Syndrom, dem eine meist chronische oder fortschreitende Erkrankung des Gehirns zugrunde liegt. Zu den Symptomen einer Demenz gehören unter anderem Störungen des Gedächtnisses, des Denkens, der Orientierung sowie des Urteilsvermögens, die über mindestens sechs Monate bestehen. Insbesondere bei der Alzheimer-Krankheit werden diese kognitiven Symptome häufig von einer veränderten emotionalen Kontrolle begleitet.1

Um eine adäquate Aufklärung und Behandlung zu gewährleisten, muss die der Demenz zugrunde liegende Erkrankung identifiziert werden. Eine erste ätiologische Zuordnung kann über die klinische Symptomatik erfolgen, diese allein ist aber nicht ausreichend.1

Diagnoseverfahren bei Demenzerkrankungen

Die Diagnose „Alzheimer-Demenz“ beinhaltet verschiedene Untersuchungen und Testverfahren. Diese umfassen:1

Anamnese

Aufgrund der Erfragung der Symptome, des bisherigen Verlaufs und der Krankengeschichte sowie anhand des psychopathologischen Befundes können Ärzt:innen Hinweise auf eine Demenzerkrankung und deren Ursache gewinnen. Eine bedeutende Rolle kommt neben der Eigenanamnese auch der Fremdanamnese durch Angehörige zu.

Körperliche und psychopathologische Untersuchungen

Wichtig ist es, kardiovaskuläre, metabolische oder endokrinologische Erkrankungen zu ermitteln, die ebenfalls zum klinischen Syndrom einer Demenz führen können. Dazu dienen die körperliche Untersuchung sowie die Blutlabordiagnostik. Wichtige Differenzialdiagnosen zur Demenz sind zudem psychopathologische Störungen, insbesondere Depression. Da sich die Symptome sehr ähneln können, besteht ein hohes Risiko, dass eine Depression im Alter als Demenz fehldiagnostiziert und so falsch therapiert wird. Eine Depression kann zudem ein Begleitsymptom der Demenz, aber auch Auslöser einer kognitiven Störung sein.

Psychometrische Tests

Mithilfe von verschiedenen standardisierten Tests kann die kognitive Beeinträchtigung sowie deren Schweregrad eingeschätzt werden. Zudem können neuropsychologische Testverfahren zur differenzialdiagnostischen Abklärung sowie zur Verlaufskontrolle dienen.

Mit den wachsenden digitalen Möglichkeiten gibt es auch immer mehr Tests, die selbstständig zu Hause durchgeführt werden können und die immer mehr an Bedeutung gewinnen. Mit diversen Apps können Menschen, bei denen bereits eine Alzheimererkrankung im familiären Umfeld aufgetreten ist oder die bestimmte Risikofaktoren aufweisen, regelmäßig ihre kognitiven Fähigkeiten testen, trainieren und eventuelle Verschlechterungen feststellen. Anhand dessen ist es möglich, die Diagnose „Alzheimer“ früher zu stellen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Untersuchung des Nervenwassers (Liquordiagnostik)

Mithilfe der Liquordiagnostik kann eine entzündliche Gehirnerkrankung als Ursache der Demenz ermittelt bzw. ausgeschlossen werden. Zudem kann der Nachweis von Beta-Amyloid und (phosphoryliertem) Tau im Nervenwasser die Diagnose der Alzheimer-Krankheit unterstützen.

Bildgebebende Verfahren

Die Bildgebung des Kopfes mittels cranialer Computertomographie (cCT) oder Magnetresonanztomographie (cMRT) dient vorrangig der Differenzialdiagnostik zu potenziell behandelbaren, nicht degenerativen Erkrankungen des Gehirns. Zudem kann eine cMRT bereits im klinischen Frühstadium Hinweise auf eine Alzheimer-Krankheit liefern.

Nuklearmedizinische Verfahren

Mithilfe von nuklearmedizinischen Verfahren können der Glukosemetabolismus (FDG-PET) und die Durchblutung des Gehirns (HMPAO-SPECT) gemessen werden. Während diese Verfahren nicht routinemäßig bei der Diagnostik zum Einsatz kommen, können sie zur Differenzialdiagnostik der Alzheimer-Demenz, der vaskulären Demenz und der frontotemporalen Demenz beitragen.

Lesen sie mehr über die verschiedene Formen der Demenz.

Amyloid-PET

Die Amyloid-PET dient der Darstellung von Amyloid im Gehirn und kann die Differenzialdiagnose bzw. ätiologische Zuordnung stützen. Liegt eine Demenz zusammen mit einem positiven Amyloid-PET-Befund vor, kann das auf eine Alzheimer-Krankheit hindeuten.

Genetische Diagnostik

Bei Verdacht auf eine familiäre Form der Alzheimer-Erkrankung können Betroffene eine genetische Beratung und anschließende Testung in Anspruch nehmen. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass sich aus einem positiven Befund keine therapeutischen oder präventiven Maßnahmen ableiten lassen.

Neue Diagnosekriterien für die Alzheimer-Krankheit

Zwei große Arbeitsgruppen – das National Institute on Aging gemeinsam mit der Alzheimer’s Association (NIA-AA) sowie die International Working Group (IWG) – haben unabhängig voneinander Forschungskriterien für die Alzheimer-Krankheit vorgeschlagen. Sowohl die NIA-AA- als auch die IWG-Kriterien schließen Biomarker und Bildgebungsmarker in die Diagnostik der Alzheimer-Demenz mit ein. Beide Ansätze der Forschungskriterien werden derzeit evaluiert.1

Nach den NIA-AA-Kriterien beginnt die Alzheimer-Diagnose mit der Erfüllung definierter „allgemeiner Demenzkriterien“. Danach schließen sich Kriterien an, die zwischen „wahrscheinliche“ und „mögliche“ Alzheimer-Demenz sowie „Demenz, wahrscheinlich nicht durch die Alzheimer-Krankheit bedingt“ unterscheiden. Ist die Alzheimer-Demenz aufgrund dieser Kriterien wahrscheinlich oder möglich, geben Biomarker weitere Hinweise für die Wahrscheinlichkeit. Diese werden in Amyloid-Marker (erniedrigtes Amyloid-beta 42 [Aβ42] im Liquor, Amyloid-Nachweis im PET) und Marker für neuronale Schädigung (erhöhtes [phosphoryliertes] Tau im Liquor, Atrophie des medialen Temporallappens im MRT, parietotemporaler Hypometabolismus im FDG-PET) unterteilt.1

Wesentlicher Unterschied der IWG-Kriterien zu den NIA-AA-Kriterien ist, dass erstere den Begriff der Demenz ausklammern. Damit decken die IWG-Kriterien auch das prodromale Stadium, das der Alzheimer-Demenz vorausgeht, mit ein.1

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