Gesunde Ernährung bei Demenz
© istock.com/KatarzynaBialasiewicz

Demenz

Gesunde Ernährung bei Demenz kann helfen

Die Ursachen und Risikofaktoren einer Demenz-Erkrankung sind vielfältig. Expert:innen haben 12 Risikofaktoren für die Entwicklung einer Demenz gefunden, die man selber beeinflussen kann. Einige dieser 12 modifizierbaren Faktoren, wie das Körpergewicht, Diabetes und Bluthochdruck sind stark von der Ernährung abhängig.1 Auch wenn eine Demenz bisher nicht heilbar ist, gibt es einige gute Möglichkeiten, den Abbau der kognitiven Funktionen zu verlangsamen – unter anderem mit der Ernährung.

Gesunde Ernährung trägt zum Erhalt der Gehirnfunktionen bei

Eine gesunde Ernährungsweise wirkt sich nicht nur positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus, sondern auch auf unsere kognitiven Fähigkeiten – also auf die Gehirnfunktionen. Das Risiko, im späteren Leben einmal an kognitiven Einschränkungen oder sogar Demenz zu erkranken, kann durch eine gesunde Ernährungsweise verringert werden.2 Dies zeigte beispielsweise eine kanadische Studie mit 27.860 Teilnehmern aus 40 Ländern. Die Studien-Teilnehmer:innen, die sich sehr gesund − mit viel Obst, Gemüse, Nüssen und wenig tierischen Fetten und mit mehr Fisch als Fleisch − ernährten, hatten ein um 24 Prozent geringeres Risiko für kognitive Einschränkungen im Vergleich zu denen, die sich besonders ungesund − mit viel Fett und Alkohol − ernährten.3 Auch die bei den vorwiegend älteren Betroffenen häufig auftretenden Komorbiditäten wie Diabetes Typ 2, Hypertonus etc. sind mit einer ausgewogenen gesunden Ernährung positiv zu beeinflussen.

Es ist noch nicht eindeutig geklärt, welche Nährstoffe genau für die positiven Effekte auf das Gehirn verantwortlich sind. Expert:innen untersuchten diverse Substanzen wie Omega-3-Fettsäuren, B-Vitamine und weitere Nährstoffe daraufhin, ob sie sich günstig auf kognitive Fähigkeiten und Demenz auswirken. Letztendlich gibt es aber bis heute keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass bestimmte Nährstoffe einer Demenz vorbeugen oder den altersbedingten kognitiven Verfall verlangsamen können.4

Enge Zusammenhänge zwischen Demenz und Ernährung

Gangunsicherheit, Verwirrtheit oder Gedächtnisstörungen können Symptome einer Demenz sein, können aber auch andere Gründe haben. Auslöser kann ein Vitamin B12-Mangel sein, von dem viele ältere Menschen betroffen sind. Ein Blick ins Blut durch den:die Hausärzt:in beim ersten Verdacht auf eine demenzielle Erkrankung kann hier schnell Klarheit schaffen. Je früher der Vitaminmangel erkannt und ausgeglichen wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Beschwerden wieder zurückbilden.

Menschen, bei denen bereits eine Demenz nachgewiesen wurde, haben ein besonders hohes Risiko für Mangelernährung und Gewichtsverlust.5-8 Bei der Hälfte der Demenz-Patient:innen hat man im Nachhinein festgestellt, dass sie schon Jahre vor der Diagnosestellung nach und nach an Gewicht verloren hatten. Hier wird der enge Zusammenhang zwischen Ernährung und Demenz deutlich, über die genauen Mechanismen sind sich die Expert:innen aber noch nicht im Klaren.

Einerseits deuten Studien darauf hin, dass eine Kombination verschiedener Nährstoffe – zum Beispiel Vitamine, Fette und Aminosäuren9,10 – oder die Mittelmeerkost11 einige, aber längst nicht alle kognitiven Einschränkungen bei Demenz-Patient:innen abmildern können. Andererseits besagen Leitlinien, dass Omega-3-Fettsäuren, Vitamin B1, B6, B12 und/oder Folsäure, Vitamin E, Selen, Kupfer oder Vitamin D kognitiven Beeinträchtigungen bei Betroffenen nicht entgegenwirken können. Wenn jedoch ein Nährstoffmangel bestehe, solle der entsprechende Nährstoff unbedingt ergänzt werden.12,13

Auch wenn bisher keine „Wunderwaffe“ in Form bestimmter Nährstoffe gegen Demenz gefunden wurde, ist sicher, dass eine gesunde und maßvolle Ernährung zum Erhalt der geistigen Gesundheit beiträgt. Patient:innen sollten also unbedingt zu einer gesunden Ernährung ermutigt und in deren Umsetzung unterstützt werden.

Mangelernährung bei Demenz vermeiden

Im Verlauf einer Demenzerkrankung gibt es verschiedene Auslöser für die Mangelernährung. Während in der frühen Phase eher das Einkaufen, Lagern und Zubereiten der Nahrung problematisch ist, vergessen Demenz-Patient:innen in späteren Phasen, ob sie schon gegessen haben oder nicht. Oder sie wissen nicht, was sie mit dem vor Ihnen stehenden Essen und Besteck anfangen sollen.14-19

Umgebungsfaktoren beim Essen

In jeder Phase können und sollten Betroffene beim Essen unterstützt werden. Angefangen bei der Gesellschaft beim Essen über Erinnerungen ans Essen bis hin zur kompletten Verabreichung der Mahlzeiten. Eine entspannte Atmosphäre beim Essen, das Aussehen, der Geschmack, die Farbe, die Konsistenz des Essens sowie persönliche Vorlieben oder Abneigungen spielen eine wichtige Rolle und sollten berücksichtigt werden.

Zudem sollten sich Speisen, Geschirr und Essplatz durch farbliche Unterschiede deutlich voneinander abheben. Helle Lebensmittel werden von den Patient:innen auf einem hellen Teller schlechter wahrgenommen.

Der Anblick von bekannten Küchengegenständen aus der früheren aktiven Zeit wirkt oft anregend und kann dazu führen, dass sich Betroffene erinnern und kurzzeitig aus einem apathischen Zustand lösen. Mit Fragen zu Zutaten, Gemüsefarben oder Gemüse- bzw. Obstsorten mit gleichem Anfangsbuchstaben, kann das Betreuungspersonal ein spielerisches Gedächtnistraining mit den Betroffenen durchführen.12,20

Von „Finger Food“ bis „Eat by Walking”

Diäten und Einschränkungen bei der Lebensmittelauswahl sollten vermieden werden, um die Lust am Essen nicht (noch weiter) zu reduzieren. Neben regelmäßigen Hauptmahlzeiten sollten Zwischenmahlzeiten angeboten werden. Dies kann auch in Form von „Finger Food” zu ungewöhnlichen Tages- oder Nachtzeiten geschehen, das ohne Besteck meist selbstständig und von hyperaktiven Patient:innen auch beim Umhergehen („Eat by Walking”) gegessen werden kann.12,20

neuRo Nurse
Instagram