Kognitive Testung bei Demenz
Agenturfoto mit Model gestellt. © gettyimages/FatCamera

Diagnose

Die kognitive Testung

Die kognitive Testung sollte von jemandem durchgeführt werden, der dafür geschult und qualifiziert ist. Eine kognitive Testung mit Dokumentation nimmt in unserer Praxis pro Patient beispielsweise 60 Minuten Zeit in Anspruch. Je nach Verfassung der Patienten kann das auch mal 10–15 min länger dauern. Wir erfahren in dieser Zeit viel von der Persönlichkeit, den Strategien und Problemlösungsverhalten der Patienten.

Vor der kognitiven Testung

Vor Beginn der eigentlichen Testung erfolgt im Gespräch das gegenseitige Warmwerden, Vertrauen aufbauen, Verständnis zeigen, Beruhigen und Beobachten. Unsere ersten Beobachtungen haben wir bereits dokumentiert. Wir haben uns informiert, wie es dem Patienten geht und welche Befürchtungen oder Probleme dieser hat. Wir haben dem Patienten den Ablauf und Hintergrund erklärt sowie sein mündliches Einverständnis zur kognitiven Testung eingeholt.

Durch die Verhaltensbeobachtung werden wichtige Informationen gewonnen. Ohne diese sind ungewöhnliche Leistungsveränderungen im Verlauf einer Testung nicht zu beurteilen. Sind wir aufmerksam, registrieren wir Handlungen oder Unterlassungen, das Verhalten, die Stimmung, den Antrieb, die Wahrnehmung, den Affekt, den Denkablauf, das Bewusstsein und auffällige Persönlichkeitszüge.

Zum Beispiel ist zu dokumentieren, wenn ein Patient eine Einschränkung der dominanten Handfunktion ggf. durch Arthrose, Rheuma, Tremor o. Ä. hat. Diese beeinflussen unter Umständen die Testergebnisse.

Inhalte der kognitiven Testung

Bei einer kognitiven Testung werden definierte kognitive Funktionen, nicht jedoch primär die Intelligenz überprüft. Standardisierte Testverfahren müssen reliabel, valide, objektiv, normiert und kontrolliert für Alter, Kultur oder Bildung sein. Die soziodemographischen Hintergrundvariablen (Alter, Geschlecht, Bildung, Beruf usw.) werden erfragt. Die Sensitivität und Spezifität von Testverfahren zur Erfassung einzelner kognitiver Funktionsstörungen sind recht unterschiedlich.

Die Testung sollte folgende Domänen kognitiver Funktionen untersuchen:

In unserem Neurozentrum verwenden wir standardmäßig folgende Testverfahren: Mini Mentel Status Test (MMST), Montreal Cognitive Assessment (Moca), Faces Symbol Test und DemTect. Diese Tests messen die verschiedenen kognitiven Domänen mit unterschiedlicher Sensitivität und erlauben eine Quantifizierung kognitiver Störungen unter Berücksichtigung von Alter- und Bildungsstand sowie eine gewisse Differenzierung des Testprofils.

Verschiedene Demenzformen zeigen häufig charakteristische Testprofile. Unter Berücksichtigung von fremd- und eigenanamnestischer Daten lassen sich subjektive kognitive Störungen (SCD) und leichte kognitive Störungen (MCI) von leichten, mittelschweren und schweren Demenzen unterscheiden.

Durchführung der kognitiven Testung

Über einen Bearbeitungszeitraum von 45 Minuten untersuchen wir die Daueraufmerksamkeit. Wir überprüfen, ob über einen längeren Zeitraum die Anstrengungen willentlich und kontrolliert aufrechterhalten werden können. Wir schauen, ob auf Signale und Reize angemessen reagiert wird, ob beispielsweise Interferenzen zwischen den unterschiedlichen Lernwortlisten abgewehrt werden können.

Wir erheben objektive und quantitative, normierte und standardisierte Daten. Mit Beurteilungsskalen geben wir eine subjektive Einschätzung unserer Beobachtungen wieder. Die Ergebnisse einer kognitiven Testung in Verbindung mit den Anamnese- und Beobachtungsdaten erlauben uns, Rückschlüsse auf die Alltagskompetenz des Patienten zu ziehen. Mit der Testwiederholung alle sechs Monate beurteilen wir Veränderungen im Zeitverlauf.

Wichtig bei der Bearbeitung der Fragebögen ist:

Geht der Patient zufrieden, mit einem guten Gefühl und einem Lächeln im Gesicht aus Ihrem Raum, fühlte er sich von Ihnen verstanden. Dieses positive Gefühl wird mit Ihrer Person verbunden. So verliert das Wort „Gedächtnistestung“ ihren Schrecken.

Immer aktiv bleiben – körperlich wie geistig

Wir geben den Patienten gerne folgende Information mit auf den Weg: „Eine Testung ist gleichzeitig ein Gedächtnistraining und damit etwas Gutes.“ Wir sorgen für eine Verabschiedung mit einer positiven Wendung und zeigen Perspektiven. Hier ist nun der richtige Zeitpunkt, zu reflektieren, dass körperliche und geistige Aktivierung, möglichst täglich, nicht nur für die älteren Patienten, sondern auch für uns jüngere Gesunde, eine gute Vorbeugemaßnahme gegen den geistigen Abbau darstellt.

Ihre Stella Schönnagel

Quellen

  • Eigene Tätigkeit als Demenzfachkraft und Dr. med. Peter Scherer, Facharzt für Neurologie am Neurozentrum Zehlendorf 
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