Wie hängen Long-Covid und Demenz zusammen?
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Demenz

Wie hängen Long-Covid und Demenz zusammen?

In den Medien werden immer häufiger Stimmen laut, die einen Zusammenhang zwischen Long-Covid und Demenz vermuten lassen. In einer Veranstaltung der neuRo Nurse Academy hat Frau Sonia Lech vom Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité – Universitätsmedizin Berlin das Thema beleuchtet und den aktuellen Stand der Wissenschaft für Sie zusammengefasst.

Long-Covid kann sich anhand vieler unterschiedlicher Symptome zeigen. Es können z. B. respiratorische, kardiovaskuläre, neurologische, psychologische/psychiatrische und dermatologische Symptome, aber auch Hals- Nasen- Ohrensymptome oder der Verlust von Geschmack und/oder Geruch auftreten. Man spricht von Long-Covid, wenn diese typischen Symptome noch vier Wochen nach der Erstinfektion mit dem Corona-Virus zu beobachten sind.

Long-Covid und Demenz – zwei Krankheiten mit ähnlichen Symptomen

Bei der Frage, ob Long-Covid und Demenz zusammenhängen, sind die neurologischen und psychologischen/psychiatrischen Long-Covid-Symptome von besonderem Interesse, da sie mit vielen Symptomen der Demenz deckungsgleich sind.

Als neurologische Long-Covid-Symptome gelten kognitive Beeinträchtigungen, wie der „Brain Fog“, Kopfschmerzen und Schlafstörungen sowie neuropathische Symptome wie Kribbeln in Fingern und Füßen, Schwindel oder Delirium.

Zu den psychologischen/psychiatrischen Long-Covid-Symptomen zählen Depressionen, Angst, Stresssymptomatik und Schlafstörungen.

Bei den Überlegungen über mögliche Zusammenhänge darf die Dauer der Symptomatik allerdings nicht außer Acht gelassen werden. Denn die Diagnose „Demenz“ kann erst gestellt werden, wenn die Symptome bereits seit sechs Monaten bestehen. Und an dieser Stelle eröffnet sich ein Problem bei der Suche nach Zusammenhängen beider Erkrankungen: Es gibt noch keine publizierten Daten, in denen die kognitiven Long-Covid-Symptome sowie weitere erforderliche Kriterien für eine gesicherte Demenzdiagnose über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten beobachtet und ausgewertet worden sind.

COVID-19 als Risikofaktor für Demenz?

Trotz dieser Studienproblematik gibt es einige Anhaltspunkte dafür, dass COVID-19 eine Demenz hervorrufen oder begünstigen kann, wie zum Beispiel die Tatsache, dass Patient:innen mit einer schweren COVID-19-Erkrankung häufiger kognitive Beeinträchtigungen haben als andere. Zudem hat man in Gehirnen von verstorbenen COVID-19-Patient:innen ähnliche molekulare Veränderungen gefunden wie sie bei Demenz auftreten. Hinzu kommen einige pathophysiologische Mechanismen sowie Entzündungsreaktionen bei COVID-19, die mit der Demenz in Verbindung gebracht werden können. Die Mechanismen werden durch COVID-19 getriggert und wirken sich so direkt auf das Gehirn aus.

Wissenschaftler:innen versuchten die genannten Pfade mit Hilfe von empirischen Studien zu belegen und damit die Verbindung zwischen Long-Covid und Demenz nachzuweisen. Und es ist Ihnen in vielen Bereichen bereits gelungen. Aktuelle Daten konnten zeigen, dass:

Weitere Studien erforderlich

Abschließend fasst Frau Lech am Ende Ihres Vortrags zusammen, dass es noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten gibt, um COVID-19 als Risikofaktor für Demenz zu bestätigen. Dennoch gäbe es viele Hinweise für eine kognitive Langzeitveränderung nach einer SARS-CoV-2-Infektion. Einige theoretische Modelle und pathophysiologische Mechanismen legen nahe, dass eine SARS-CoV-2-Infektion eine Demenz verursachen kann. Um den Zusammenhang zwischen COVID-19 und Demenz eindeutig nachweisen zu können, sind Langzeituntersuchungen dringend erforderlich.

Quellen

  1. Vortrag „Long-Covid oder doch Demenz?“, M. Sc. Sonia Lech, neuRo Nurse Academy / DEMENZnurse, April 2022
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