Vorbereitung einer kognitiven Testung
Agenturfoto mit Model gestellt. © gettyimages/SDI Productions

Diagnose

Die Vorbereitung einer kognitiven Testung: Wie gehen wir vor?

Bereits bei der Terminplanung sollten wir die Patientenbesonderheiten für die Vorbereitung einer kognitiven Testung berücksichtigen. Keinesfalls sollte die Testung zu Zeiten durchgeführt werden, in denen die Patienten ihr individuelles tägliches Vigilanztief haben.

Für die Durchführung von kognitiven Testungen benötigen wir eine ruhige und ungestörte Atmosphäre. Am besten nutzen wir einen kleinen, gut gelüfteten Raum mit gutem Tageslicht und direkter Lichtquelle auf dem Schreibtisch. Ein Schreibtisch bietet mit seiner Höhe die geeignete Position für die Patienten zum Bearbeiten der Fragebögen.

Aus meiner Erfahrung ist die gegenübersitzende Position von Untersuchenden und Patienten ideal. Diese hat Vorteile in der Kommunikation, denn die Patienten können uns gleichzeitig sehen, wenn wir mit ihnen sprechen, wenn sie, wie so oft, schwerhörig sind. Außerdem sehen sie uns besser, wenn wir ihnen Aufmunterung, Zustimmung oder Freundlichkeit signalisieren.

Zur Erleichterung der Kommunikation bitten wir im Vorfeld der Testung, dass geeignete Hörgeräte und Lesebrillen getragen werden, sollte dies notwendig sein. Wir sind uns natürlich dessen bewusst, dass viele ältere, insbesondere demenzkranke Menschen, mit den Hörgeräten nicht zurechtkommen und diese daher ablehnen.

Das Sprechen mit Schwerhörigen will gelernt sein. Wir sprechen mit dem Zwerchfell, also aus der Brust heraus, mit sonorer Stimme, raumfüllend, langsam und in angepasster Lautstärke, gut artikuliert, deutlich, ohne uns zu überanstrengen.

Kognitive Testung: Beobachtungen aus Sicht einer Nurse

Wir schaffen eine Atmosphäre, in der auch wir uns wohl fühlen. Wir nehmen uns selbst wahr. Wir reflektieren uns, wie es uns zum Testzeitpunkt geht. Mit welcher Haltung wir den Patienten und den Aufgaben begegnen. Bleiben wir einen kurzen Moment bei uns.

Auf dem Weg vom Wartezimmer zum Raum beobachten wir die Patienten. Wir schauen, wie die Patienten uns in den Raum folgen. Kommen sie allein oder mit Begleitung? Welche Körperhaltung und welches Gangbild haben sie dabei? Gehen sie mit oder ohne Gehhilfe (Stock, Krücken, Rollator), werden sie gestützt beim Laufen oder sitzen sie im Rollstuhl?

Wie sitzen die Patienten vor uns? Haben die Patienten eine Lese- oder Gleitsichtbrille und Hörgeräte dabei? Wie verhalten sie sich? Wie ist ihre Stimmung? Wie sind ihre Mimik und Gestik? Welche Signale empfangen wir von unseren Patienten? Stehen gerade Emotionen im Vordergrund? Wie sprechen die Patienten? Diese ersten Beobachtungen dokumentieren wir.

Wie verhalten Sie sich als Nurse am besten?

Wir sind freundlich und zugewandt. Ein Lächeln verbindet. Wir müssen miteinander warm werden. Versuchen wir uns, aufeinander einzustellen. Zeigen wir ein wertschätzendes Interesse, wenn wir Informationen vom Patienten möchten. Vermitteln wir unseren Patienten, dass sie sich öffnen können, ihre Bedenken äußern und Ihre Sorgen mitteilen dürfen. Hören wir aktiv zu. Fühlen wir uns in die Emotionen der Patienten ein. Zeigen wir, wie wir mit unserem Herzen die Patienten verstehen. Seien wir empathisch. Senden wir selber Signale des Mitgefühls mit unserer Körperhaltung, Mimik und Gestik aus. Erst dann merken unsere Patienten, dass wir aufmerksam zuhören, die Informationen ernst nehmen und sie sich wirklich von uns verstanden fühlen. Schaffen wir eine Vertrauensbasis.

Verzichten wir unbedingt auf Mitleid, Belehrungen, Deutungen oder Konfrontationen. Bedenken wir, wir haben Patienten vor uns, die vielleicht nicht freiwillig kommen und nicht nur ein Problem mit ihrer Gedächtnisfunktion haben. Viele unangenehme Gefühle, Unsicherheit, Angst, Leistungserwartung und Verlust der Selbstkontrolle begleiten die Patienten in diesem Moment.

Erklären wir, wie diese kognitive Testung abläuft und warum diese durchgeführt wird. Beruhigen wir unsere Patienten: „Hier dürfen Fehler passieren“. „Wir wollen sehen, was Ihnen schwerfällt oder nicht mehr so gut gelingt.“ „Wir beurteilen, ob die Gedächtnisleistung dem Alter entspricht oder ob Abweichungen vorhanden sind.“ „Werden später Verlaufstestungen durchgeführt, kann beurteilt werden, ob die Gedächtnisleistung sich verändert.“ „Diese Testung ist wie ein Gedächtnistraining. Wir beide tun jetzt etwas Gutes für unser Gehirn.“

Mit jeder kognitiven Testung müssen wir uns auf den Patienten vor uns neu fokussieren. Bleiben wir ganz dabei. Entwickeln wir ein Gespür für die jeweilige Gesprächssituation.

Ihre Stella Schönnagel

Quellen

  • Eigene Tätigkeit als Demenzfachkraft und Dr. med. Peter Scherer, Facharzt für Neurologie am Neurozentrum Zehlendorf
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